Der Felssturz - ein einschneidendes Ereignis

„Früher“ – das heißt bis vor wenigen Jahren – konnte vom Gütle direkt durch die Rappenlochschlucht zum Staufensee gewandert werden. Im tiefsten und zugleich schönsten Teil der Schlucht ging es durch einen Tunnel, direkt darüber führte die Rappenlochbrücke ins Ebnit.

Am 10. Mai 2011 kam es kurz nach Mittag zu einem bewegenden Ereignis: Ein Felssturz riss die Brücke in die Tiefe. Die Geröllmassen verschütteten Schlucht und Tunnel, der Durchgang zum Staufensee war nicht mehr möglich und die Zufahrt ins Ebnit abgeschnitten.

Wie durch ein Wunder wurde niemand verletzt!
In Windeseile errichtete das österreichische Bundesheer eine neue Brücke, die sogenannte Pionierbrücke, und das Ebnit konnte wieder erreicht werden. Im Rappenloch selber wurde eine Steganlage gebaut, die zwei Jahre später eröffnet wurde. Sie führt 60 Meter oberhalb des Felssturzes vorbei und ermöglicht somit einen atemberaubenden Blick auf das Innere der Schlucht. Dort, wo früher der Eingang in den Tunnel war, wurde eine Plattform errichtet und die BesucherInnen können hier auf die Dimensionen des Felssturzes blicken.

Geologischer Einblick
In diesem Ereignis setzte sich fort, was in der Eiszeit begonnen hatte. Mehrere zehntausend Jahre lang hatte sich die Ebniter Ache durch den harten Kalkstein geschnitten. In seinen Grundzügen existierte das Bachbett schon vor der Eiszeit. In jeder Zwischeneiszeit fräste sich das Wasser tiefer. Vor jeder Kaltzeit wurde die Schlucht wieder mit Schotter verfüllt und plombiert. Das Eis des Gletschers floss über sie hinweg. Die steilen, überhängenden Felsen sind von Rissen und Spalten durchzogen. Widerlager und Reibungskräfte sorgen für den Zusammenhalt. Frostsprengung und Wurzeln aber treiben die Spalten auseinander. Saures Wasser löst das Gestein. Die Schwerkraft selbst zieht die Massen hinunter und am 11. Mai 2011 waren die Grenzen der Belastbarkeit überschritten.